Gehalt allein macht auch nicht glücklich!

Über die Waage zwischen Geld und Wertschätzung im Job

Eine Umfrage bei monster.de hat gezeigt: Von mehr als 1200 Befragten beurteilen nur knapp 20 Prozent ihr Gehalt als zufriedenstellend. Nur 5 Prozent haben ihr Gehalt als „sehr zufriedenstellend“ eingestuft. Mmmh…

Frage 1 ist also: Wie kann es sein, dass sich Menschen langfristig in einem Job engagieren, für den sie nach subjektivem Empfinden nicht gut genug bezahlt werden?

Frage 2: Was sind es für Komponenten, die Mitarbeiter neben der Bezahlung noch im Unternehmen halten?

Frage 3: Was tun, wenn ich mich verändern möchte?

Ich kenne viele Leute – wie Ihr sicher auch – die ihren Job in den vergangenen Jahren gewechselt haben. Einige von ihnen, weil sie woanders besser verdient haben. Andere wiederum sehnten sich nach einem neuen, besseren Arbeitsumfeld. Sie haben gerne Abstriche beim Gehalt gemacht, zugunsten von mehr Wertschätzung, einem umgänglicheren Chef, netteren Kollegen, einem Büro mit mehr Wohlfühlatmosphäre oder oder oder…

Wenn es um Motivation in den Seminaren von aktiVital geht… oder um Stressmanagement… oder um Teambuilding, dann zeigt sich jedes Mal schnell: Der Punkt „Wertschätzung im Job“ ist extrem entscheidend: für das Wohlbefinden, für die Lust darauf, zur Arbeit zu gehen, für das Gefühl „angekommen zu sein“. Gehalt allein macht also nicht glücklich. Gleichzeitig darf es nicht ZU gering sein, das ist klar. Sonst ist es auch schnell dahin mit dem Wohlgefühl im Job.

Irgendwie muss also das Verhältnis von Gehalt und Wertschätzung durch Kollegen und Führung stimmen – wie dieses Verhältnis allerdings konkret aussieht, das ist individuell.

Nun kenn ich selbst auch die Situation, dass man sich auf dem Arbeitsmarkt umsieht, eine Stelle entdeckt und man denkt: „Oh ja… das klingt toll!“ Vor lauter Enthusiasmus habe ich dann gezögert, als es um die Formulierung der Gehaltsvorstellung ging. Schließlich möchte man ja zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Eigentlich verrückt, diese Zurückhaltung. Denn seien wir ehrlich: Angenommen, ich werde eingeladen & meine zurückhaltende Gehaltsvorstellung wird so angenommen wie ich sie formuliert habe: Werde ich dann mit dem Job überhaupt glücklich? Wenn ich die ganze Zeit denke: „Eigentlich hätte ich ja gerne mehr gehabt….“? Wahrscheinlich nicht.

Deshalb gilt es von Anfang an, klar und ehrlich mit sich und dem Gegenüber zu sein. Denn auch die Leute im potentiellen neuen Unternehmen sollen doch wissen, wieviel ich mir selbst wert bin… und sollen auch eine Chance darauf haben, langfristig auf mich zu setzen – und das geht nur, wenn ich zufrieden bin. Verkaufe ich mich als vermeintlich zufrieden und bin es nicht, werde ich womöglich bald wieder das Weite suchen. Das wäre schade, für beide Seiten.

Deshalb: Hier ein paar Tipps, um Gehalt und den Wunsch nach Wertschätzung im Job unter einen Hut zu bekommen.

  1. Schon in der Bewerbung nicht unter Wert verkaufen!

Seid ehrlich, was Eure Gehaltsvorstellung betrifft. Grundsätzlich gilt: Mindestens das fordern, was wirklich Eure untere Schmerzgrenze ist. Dann müsst Ihr im Gespräch aber auch strikt „Nein“ bei Verhandlungen sagen können. Das könnt Ihr ja auch ehrlich begründen und sagen, dass Ihr nicht davon abrücken möchtet, da z.B. eine finanzielle Verschlechterung für Euch nicht in Frage kommt. Oder Ihr seid so pfiffig und fordert rund 20 Prozent mehr als Ihr wirklich haben wollt. So könnt Ihr immer noch ein bisschen entgegen kommen, wenn es nötig ist und bekommt dennoch, was für Euch zufriedenstellend ist. Und mit viel Glück, eben sogar diese 20 Prozent mehr. 😉

Wenn Ihr überhaupt keine Vorstellung habt, was sich im neuen Job so als Gehaltsvorschlag eignet, gibt es Vergleichsportale. Sie geben Sicherheit, sodass Ihr weder arrogant und überzogen noch zu duckmäuserisch daher kommt.

  1. Steht erstmal kein neues Job-Angebot ins Haus, gilt es, das Hier und Jetzt genauer zu beleuchten.

Ihr fühlt Euch im Job derzeit nicht wohl? Ok, das kann passieren… aber wie lange schon? Phase oder Dauerzustand? Ist es allein eine Gehaltsfrage? Oder geht es um den Aufgabenbereich? Fühlt Ihr Euch manchem nicht gewachsen? Werdet Ihr nicht gut genug unterstützt? Sind manche Abläufe nicht transparent genug, um gut damit arbeiten zu können (denn um „Gut arbeiten können“ geht es bei den Maßnahmen von aktiVital)? Mögt Ihr Euren Job tatsächlich… oder sehnt Ihr Euch insgeheim nach ganz anderen Dingen und ist das Gehalt gar nicht der ausschlaggebende Punkt? Seid hier unbedingt ehrlich zu Euch selbst! Und hört allein auf Euch.

Mögt Ihr Euren Job wirklich gern, aber sehnt Euch nach mehr Gehalt, dann überprüft: Hab ich das auch wirklich verdient? Nur wenn Ihr gute Argumente für mehr Geld habt, werdet Ihr auch verhandlungssicher bei Eurem Chef auftreten.

Ist Euer Unwohlsein keine Gehaltsfrage, überprüft Ihr am besten folgendes:

  1. Bringt mich vielleicht ein Feedbackgespräch mit einer Forderung nach mehr Wertschätzung / Transparenz / Kollegialität / Fairness / was auch immer weiter? Dann bereitet ein solches Gespräch vor und führt es! In einem der letzten Blogbeiträge haben wir darüber berichtet – lest einfach nach!
  2. Ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen, orientiert Euch um. Der einfache Spruch: “Love it, change it or leave it“ hilft dabei ungemein!

 

  1. Denkt grundsätzlich lösungsorientiert und nicht situationsorientiert.

Also weg vom „Alles ist doof“ hin zum „Was wäre besser? Wo will ich hin?“ Nur so definiert Ihr ein Ziel, um es dann auch zu verfolgen. Wenn das eine Veränderung bedeutet, keine Angst! Die Zeiten, in der wir den „goldenen Kugelschreiber“ in einer Firma bekommen haben, sind vorbei. Heute ist es ungewöhnlich (nicht falsch, aber selten!), eine gesamte Berufskarriere lang in ein und demselben Betrieb zu verbringen. Deshalb seid beruhigt: Der Wunsch nach Neuem, ist ok. Hört auf Euer Bauchgefühl.

Wer übrigens laut „Bauch“ genau richtig ist, an Ort und Stelle gut aufgehoben, muss sich natürlich nicht zwanghaft verändern. Wenn Ihr Euch wohl fühlt und zufrieden seid, ist das etwas wunderbares. Verbissenes „neu machen“, was „anderes wagen“ ist sicherlich nicht der richtige Weg, wenn das Gefühl nicht wirklich aus Euch heraus kommt, sondern allein auf „Heutzutage sollte man vielleicht mal den Job wechseln“ gründet.

So oder so – bleibt Euch treu. Traut Euch, wo Ihr wollt. Bleibt, wo es sich gut für Euch anfühlt. Sucht das Gespräch, wenn Ihr Euch etwas davon versprecht.

Euch eine schöne Woche!

Eure Janine