Neue Lösung, gutes Gefühl!

Was der Konsens dem Kompromiss voraus hat

Vor zwei Wochen haben wir über Feedback berichtet – habt Ihr es gelesen? Wie bringe ich mein Feedback zu jemand anderem gekonnt an und kopple es mit einem konkreten Wunsch oder einer knallharten Erwartung?

Wir haben einen Leitfaden vorgestellt: Was habe ich am anderen beobachtet? Welches Gefühl hat das in mir ausgelöst? Welche Konsequenz ziehe ich daraus? Was wünsche ich mir vom anderen bzw. was erwarte ich sogar?
Genau das, was ich mir zurecht gelegt habe, würde ich dann im Feedback-Gespräch auch äußern. Kurz & knapp, um zielgerichtet zu sein. Um mir nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Um fair, aber nicht zu nachgiebig zu sein, falls mir das Gespräch unangenehm ist.

Einer solchen Situation liegen oft Konflikte zugrunde. Sie sorgen dafür, dass man denkt: „So nicht! Da müssen wir mal reden!“ Darauf habe ich herum gedacht.
Deshalb konzentrieren wir uns heute mal auf das Thema Konflikt.

Bevor ich als Trainerin aktiv war, habe ich immer gedacht, dass der Kompromiss die erstrebenswerteste Lösung ist. Irgendwie habe ich das so gelernt. Wenn man sich streitet, findet man eben am besten einen Kompromiss. Allerdings ist das nur die zweitbeste Lösung, wie ich heute weiß. Besser ist es, einen Konsens anzustreben. Worin liegt der Unterschied?

Beim Kompromiss geht es darum, sich quasi in der Mitte zweier Möglichkeiten zu treffen. Das bedeutet allerdings, dass jeder von seinem Ideal ein Stück abweichen muss. Es ist eine faire Lösung – denn beide machen Schritte auf den anderen zu. Deshalb: Durchaus gut, einen Kompromiss anzustreben. Der Konsens aber leistet noch mehr. Hier geht es schlichtweg darum, eine komplett neue Lösung zu finden, mit der beide Kampfhähne einverstanden sind… und zwar ohne Abstriche machen zu müssen.

Denn diese Abstriche aus dem Kompromiss sind manchmal eben die kleinen Haken, die eine Lösung eben nur „OK machen. Es ist aber eben nur die halbe Miete, wohingegen ein Konsens ein ganz neuer Raum ist. Raum für Verständnis. Raum für Kreativität. Raum für Ideen.

Das bedeutet, dass der Austausch im Konflikt wirklich gut sein muss, wenn ein Konsens erreicht werden soll. Wir gelichen eben nur nur ab, worauf der jeweils andere „im Notfall“ mit Zähneknirschen verzichten kann. Es geht um mehr als Annäherung und guten Willen. Es geht um echtes Verständnis füreinander. Ein Konsens braucht ehrliches Interesse für das Gegenüber: Wenn ich X will und der andere Y… wo könnte dann Lösung „Z“ das Zünglein an der Waage sein? Wo finden wir trotz der Gegensätze etwas ganz anderes, neues, das wir beide gleichermaßen mit „Juchu“ und eben nicht nur mit „OK“ unterschreiben können? Gemeinsam… und nicht jeder für sich für „seinen Teil der Abmachung“? Ein Konsens macht ein gemeinsames großes Ganzes und nicht nur die Verbindung zweier Einzelteile.

Nicht immer haben wir die Zeit, uns lange verständnisvoll und kreativ zusammen zu setzen. Aber falls doch: Probiert es aus. Es ist ein interessanter Prozess. Falls es gelingt, ist ein Konsens ein wirklich zufriedenstellendes Ergebnis, das deutlich glücklicher macht als ein Kompromiss. Und schon allein der Weg dahin steckt voller Herausforderungen und Überraschungen. An denen könnt Ihr wachsen! Löst Euch von Euren ursprünglichen Vorstellungen und guckt, was es mit Euch macht, wenn man ganz bewusst mal nicht auf seine Ursprungsidee oder Teile davon beharrt. Sondern eben – zack – einen Hebel im Kopf umlegt, und sagt: „Ok… dann keins von beidem, sondern was ganz anderes.“ Es weitet ganz sicher den Horizont.

Lass die Sonne in Dein Herz!

Eure Janine