Klartext reden

Frei raus Feedback geben und Forderungen stellen

Wie ist es mit Kollegen im Job? Seid Ihr mit allen fein? Auch mit dem Chef? Oder gibt es auch einmal etwas, das Ihr EIGENTLICH gerne sagen würdet. Und dann fragt Ihr Euch: „Aber wie?!“ Vielleicht gibt es einen bei Euch im Team, der nie die Spätschicht übernimmt und immer schön seinen Stiefel durchzieht? Oder Euer Vorgesetzter hat im vergangenen Meeting etwas echt Doofes zu Euch gesagt… und das nicht zum ersten Mal und vor versammelter Mannschaft? Oder Eure Kollegin führt lautstark Privatgespräche im Büro – das kostet Zeit und Nerven

Willst Du gemocht werden?

Oft wissen wir ganz genau, was wir der anderen Person gerne sagen würden. Dass immer schön früh heim gehen und die anderen bei der Spätschicht rotieren lassen keine Teamleistung ist. Dass der Chef wertschätzender sein sollte und Witze vor versammelter Mannschaft keine gute Führungskraft ausmachen. Dass die Kollegin sich eben nicht kollegial verhält und doch merken müsste, was uns stört. Mmh. Oft tragen wir genau das lang mit uns herum, aber warum? Wenn die Sache doch so klar ist und wir uns im Recht fühlen, dann raus damit! 😉

Was viele zurückhält, ist die Angst, nachher als spießig oder aufsässig wahrgenommen zu werden. Oder als Querulant oder pingelig. Ein bisschen so, wie wenn man in der Schule früher nicht jeden Mist mitgemacht hat, weil man eben nicht alles so witzig fand wie die anderen. Wir haben vielleicht ein „Aber wir sollten doch…“ geäußert, aus einem Unwohlsein heraus. Und dann waren wir der Langweiler oder der Streber. Fast alle Persönlichkeitstypen (man kann sie tatsächlich kategorisieren, auch wenn niemand in eine Schublade gehört!) wollen gemocht werden. Wir setzen uns also unter Druck, fühlen uns irgendwie verpflichtet, erstmal nichts zu sagen, auch mal „Fünfe gerade sein“ zu lassen und und und…
Und manchmal fürchten wir auch einfach lange, kraftraubende Diskussionen.

Eine klare Entscheidung treffen

Das ist solange ok, solang das Verhalten des anderen ein kleiner Aufreger ist. Wir sind nun einmal nicht alle gleich. Sollte Euch das Verhalten des anderen aber länger beschäftigen, stören, beeinträchtigen… dann ist ein Gespräch angesagt. Fällt eine klare Entscheidung für Euer Wohlbefinden! Wenn Ihr Euch gut auf das Gespräch vorbereitet und es vielleicht auch einmal übt, dann klappt das sicher gut. Die Methode, die wir Euch heute vorstellen, soll Euch helfen, kurz und knapp und damit sehr kompetent auf den Punkt zu kommen. Denn: Wenn wir uns unwohl fühlen, neigen wir zum „herumeiern“ – und das ist für ein ernsthaftes Feedback absolut kontraproduktiv.

Gefühl und Sache gehören zusammen

Die Vorbereitung hilft nicht allein für das Gespräch an sich. Der Leitfaden ist auch eine gute Methode, um für sich selbst erstmal auf den Punkt zu bringen, WAS EXAKT ich eigentlich vom anderen will. Stellt Euch folgende Fragen:

  1. Welches Verhalten habe ich am anderen beobachtet?
  2. Was für ein Gefühl löst das in mir aus?
  3. Welche Konsequenz ziehe ich aus den ersten beiden Punkten?
  4. Welche Bitte / Forderung richte ich an den anderen?

Dann formuliert Ihr zu jedem Punkt einen Satz. Einen. Kommt auf den Punkt, seid zielgerichtet. Keine ewig langen Erklärungen. Diese vier Punkte sind Euer Monolog zu Beginn des Gesprächs. Eine Antwort und Rückfragen des anderen werden folgen, dann kann man immer noch erklären. Zuerst werdet Ihr aber los, was Ihr sagen wollt.

  1. Unbedingt als ICH-Botschaft formulieren!

„Mir ist aufgefallen, dass wir die Spätschichten immer nur unter uns aufteilen und Du schon seit X Monaten keine mehr übernimmst.“

2. Ein Gefühl zu definieren und zu zeigen, wirkt Wunder.
Der andere spürt, dass sein Verhalten etwas auslöst. Das Gefühl zu benennen, ist stark! Geht nicht davon aus, dass der andere „sich das ja wohl denken kann“. Kann er vielleicht, aber die Wirkung ist eine andere.

„Das finde ich so langsam mehr als unfair“. Oder „Das macht mich wütend.“

3. Macht mit der Konsequenz einfach klar, dass nun eine Wende folgen muss.

„Für mich geht das so auf keinen Fall weiter.“ Oder: „Wir müssen uns darüber im Sinne des Teams unterhalten.“ Oder: „Aus meiner Sicht ist das nicht tragbar.“

4. Richtet eine konkrete Bitte – oder, wenn es härter sein soll – eine Erwartung/Forderung an den anderen.
Auch das gehört klar ausgesprochen. Nicht für selbstverständlich erachten, dass jemand nach Euren Wünschen handelt, wenn Ihr nur die Sachlage erklärt habt. Das geht insbesondere bei den ganz harten Brocken in die Hose.

„Ich wünsche mir von Dir, dass Du Dich ab jetzt (wieder) regelmäßig an der Schichtrotation beteiligst.“ Oder: „Ich erwarte, dass Du genauso Spätschichten übernimmst wie wir auch..“

Zum Schluss stellt Ihr noch eine Rückfrage: „Was sagst Du dazu?“ oder „Wie denkst Du darüber?“ Das bringt den anderen in die Pflicht. Wenn Ihr den anderen mehr in die Mangel nehmen wollt, dann stellt eine geschlossene Frage: „Ist das für Dich machbar?“

Nach diesem Leitfaden kann sich sicher noch ein echtes Gespräch entwickeln. Und das ist auch gut – Austausch verbindet! Das Gute an diesem 4-Sätze-Prinzip ist aber: Ihr bekommt ganz geordnet erst einmal alles heraus, was Ihr sagen wolltet. Die gute Vorbereitung macht Euch mutiger und Ihr könnt selbstsicherer auftreten. Und: Das geordnete Prinzip hilft auch dem anderen, Euch zu folgen. Ihr seid schön auf den Punkt, ihr beschimpft aber nicht, sondern formuliert aus Eurer Perspektive. Das kombiniert wertschätzende Kommunikation mit Durchsetzungsvermögen.

Alles klar soweit?

Die Methode stammt natürlich aus den Federn unserer Seminarleiter. Und funktioniert. Wir wenden viele gute Leitfäden und Tipps in der Kommunikation an. Stöbert doch mal in unserem Angebot an Worksops und Trainings der aktiVital GmbH.

Unabhängig davon wünschen wir Euch viel Erfolg beim Ausprobieren!

Eure Janine

P.S. Der Leitfaden funktioniert übrigens auch gut, um Partnerschaftliches anzusprechen 😉