Mehr als „Gut gemacht!“ – Wertschätzung im Job

Neulich haben wir uns in der Familie über unsere Jobs unterhalten, und darüber, wie verschiedene Dinge in welcher Firma so gehandhabt werden. Mein Vater zum Beispiel hat enormen Stress. Kollegen sind zur Kur. Burn-Out. Manche haben gekündigt. Er ist auch schon fix und fertig.

Ganz offensichtlich läuft in der Firma etwas falsch. Alle merken es, nur der Chef nicht. Er knechtet weiter. Lobt nicht für gut gemachte Arbeit, nörgelt nur, wenn etwas nicht nach seinen Wünschen ausgeführt wird, und ignoriert völlig, dass die, die noch da sind, absolut am Limit arbeiten. Er erwartet stattdessen noch mehr und tut, als müsste es ein Leichtes für seine Mitarbeiter sein. Gerade in so einer Zeit sind doch Wertschätzung, Anerkennung und Motivation besonders wichtig, denke ich. Deshalb habe ich mich mal näher mit dem Thema Wertschätzung im Job beschäftigt.

Studien belegen, dass Frust auf der Arbeit bei den meisten tatsächlich diesen einen Grund hat: Mangelnde Wertschätzung durch den Vorgesetzten.

Aber was heißt Wertschätzung überhaupt genau? Und warum ist uns das so wichtig? Zunächst einmal ist Wertschätzung mehr als ein schnell dahin gesagtes Lob. Unter Wertschätzung versteht die Psychologie eine innere Haltung. „Wertschätzung bezeichnet die positive Bewertung eines anderen Menschen. […] Wertschätzung betrifft einen Menschen als Ganzes, sein Wesen. Sie ist eher unabhängig von Taten oder Leistung, auch wenn solche die subjektive Einschätzung über eine Person und damit die Wertschätzung beeinflussen. Wertschätzung ist verbunden mit Respekt, Wohlwollen und drückt sich aus in Zugewandtheit, Interesse, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit.“

(Quelle: Wikipedia – bezieht sich auf die Bücher Lexikon der Ethik und Die inspirierende Kraft der gegenseitigen Achtung)

Ich erinnere mich an einen Nebenjob, den ich mal hatte. An der Hotelrezeption. Der Chef kam jeden Tag vorbei, gab jedem einzelnen Mitarbeiter die Hand und fragte „Wie geht’s?“ Jetzt könnte man meinen, dass das Smalltalk gewesen ist, sogenanntes „sozial wünschenswertes Verhalten“, also ein Verhalten, von dem er wusste, dass es eben gut ankommt. Aber nein! Ich habe das tatsächlich als absolut wertschätzend empfunden, als authentisch und ehrlich interessiert. Ich bin heute noch sicher, dass er mich auf einen Kaffee an der Hotelbar eingeladen hätte, wenn ich „Wie geht’s?“ mit „Naja…“ oder „Nicht so gut, um ehrlich zu sein…“ beantwortet hätte. Es war keine Floskel, ganz sicher. Für mich war der morgendliche Händedruck das Symbol seiner aufrichtigen Wertschätzung einem jeden Mitarbeiter gegenüber.

Und ja, mir ist das positiv aufgefallen. Deshalb, weil es eben auch ganz andere gibt. Wie den Chef meines Vaters zum Beispiel. Und sicher ist es mir auch aufgefallen, weil irgendetwas in meinem Inneren darauf natürlich reagiert hat. Mein inneres Ich hatte das Bedürfnis nach Wertschätzung, denn das ist ganz natürlich. Also habe ich sofort gespürt, als dieses Bedürfnis gestillt wurde. Übrigens hat der Chef mich beim Händedruck auch beim Namen genannt – ein psychologischer Verstärker. Hören wir unseren eigenen Namen, dann werden etwa 3 Sekunden lang Glückshormone ausgeschüttet.

Offenbar ist die Wertschätzung uns deswegen so wichtig, weil es um uns als Ganzes geht. Nicht nur darum, wieviel Kraft und Motivation wir in eine Arbeitsaufgabe stecken. Und das ist doch auch nachvollziehbar: Ein Lob für einen toll erledigten Job freut uns, verpufft aber nach einer Weile und ist überhaupt nichts wert, wenn wir spüren, dass der grundsätzliche Respekt oder ein aufrichtiges Interesse an uns als Mensch nicht vorhanden ist.

Wertschätzung drückt sich folglich nicht in einer einmaligen großen Lobeshymne aus, sondern in vielen kleinen Gesten des Arbeitsalltags, die kontinuierlich einfach da sind. Dazu zählen ein anerkennender Blick auf Augenhöhe, ein wohlwollendes Kopfnicken, eine neugierige Rückfrage oder auch eine Bitte um Rat. Gerade die letzten beiden Interaktionen zeigen doch eindeutig Interesse an uns und Vertrauen in unser Urteil. Auf www.karrierebibel.de findet Ihr noch mehr Wissenswertes dazu, auch genauere Erklärungen zu diesen Unterpunkten als Ausdrucksformen der Wertschätzung:

  1. Anerkennende Worte finden
  2. Um Rat bitten
  3. Fair revanchieren
  4. Zeit schenken
  5. Bedürfnisse erkennen
  6. Respektvoll kommunizieren
  7. Vertrauen beweisen
  8. Dankbarkeit nicht vergessen

Wie sieht es bei Euch an Eurem Arbeitsplatz aus? Ich hoffe, Ihr könnt bei einigen Punkten nicken und sagen: Ja, das kommt bei uns vor. Sicherlich können wir nicht immer „alles haben“ und in vielen Fällen können Arbeitgeber noch einiges dazu lernen, wenn es um das neue Modewort „Wertschätzung“ geht. Ein nette Weihnachtsfeier oder ein kleiner finanzieller Bonus können dauerhaft nun einmal nicht rausreißen, was zwischenmenschlich grundsätzlich schief läuft.

Manchmal hilft ein offenes Gespräch mit Kollegen und dem Vorgesetzten, im Idealfall ohne Vorwürfe. Werdet Euch klar darüber, was exakt fehlt – so konkreter Ihr den Begriff „Wertschätzung“ für Euch definieren könnt, umso besser könnt Ihr ausdrücken, was Ihr Euch wünscht.

Auch ein Teambuilding-Seminar, ein Trainingstag zu Kommunikation oder „Gesunder Führung“ können das Blatt wenden. Wir von AktiVital sind schließlich Experten, wenn es darum geht „gut arbeiten“ zu können – schaut Euch einfach mal auf unseren Seiten um, unter www.aktivital.org.

Unter „gut arbeiten“ verstehen wir nämlich nicht allein „gute Leistung bringen“, sondern vor allem möchten wir dazu beitragen, dass Ihr das mit einem guten Gefühl dauerhaft überhaupt könnt: Gesund, motiviert & zufrieden.

In diesem Sinne,

eine schöne Woche,

Eure Janine